Geschichte Montenegros kurz: von Duklja bis 2006
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Montenegro gehört zu den jüngsten Staaten Europas und ist trotzdem schon zweimal unabhängig geworden: 1878 erkannte es der Berliner Kongress an, 2006 stimmten beim Referendum 55,5 % für die Trennung von Serbien — nötig waren 55 %. Davor liegen fast tausend Jahre eigene Geschichte: mittelalterliche Fürstentümer, mehr als drei Jahrhunderte Herrschaft der Fürstbischöfe und ein Königreich, das ganze acht Jahre bestand.
Hier die Epochen im Überblick und vor allem: wo Sie jede davon heute sehen können. Fast jeder Ort in diesem Text liegt höchstens anderthalb Autostunden von der Küste entfernt.
Kurz gefasst
- Der Name Crna Gora entstand im 15. Jahrhundert unter den Crnojević; davor lagen hier die Römerstadt Doclea, das Fürstentum Duklja und die Zeta.
- 1482 wird Cetinje gegründet — Hauptstadt für mehr als vier Jahrhunderte, bis 1946.
- 1516–1852 regieren Fürstbischöfe, ab 1696 erblich die Familie Petrović-Njegoš.
- 13. Juli 1878: Der Berliner Kongress erkennt die Unabhängigkeit an; ab 1910 ist Montenegro Königreich.
- 1918–2006 Teil Jugoslawiens, danach im Bund mit Serbien; am 21. Mai 2006 das Unabhängigkeitsreferendum.
- Heute: NATO-Mitglied seit 2017, EU-Beitrittskandidat, 622.695 Einwohner laut Volkszählung 2023.
Wie alles anfing: Doclea und Duklja
Drei Kilometer nördlich des heutigen Podgorica liegen die Ruinen der Römerstadt Doclea. Unter Kaiser Claudius (41–54) erhielt sie das Stadtrecht eines Municipiums, nach 297 wurde sie Hauptstadt der Provinz Praevalitana, und 518 zerstörte sie ein Erdbeben.
Der Name überlebte die Stadt. Aus Doclea wurde Duklja, ein slawisches Fürstentum, das sich 1042 unter Stefan Vojislav erhob und seine Unabhängigkeit erkämpfte. 1077 erkannte Papst Gregor VII. Mihailo als König von Duklja an.
Ab dem 13. Jahrhundert setzt sich der Name Zeta durch. Von 1186 bis 1360 gehörte das Land den Nemanjiden, danach herrschten von der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bis 1421 die Balšići. Aus ihrer Zeit stehen bis heute Klöster am Skadar-See.
Woher kommt der Name Montenegro?
Der Name Crna Gora, „Schwarzer Berg“ — Montenegro ist dasselbe auf Italienisch —, taucht in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf, unter der Dynastie der Crnojević. Die Osmanen rückten immer näher, 1474 nahmen sie Podgorica, und Ivan Crnojević zog mit seinem Hof in die Berge: 1482 gründete er Cetinje, 1484 war das Kloster dort fertig. Von diesem Bau sind nur Ruinen auf dem Ćipur neben der Hofkirche geblieben; das heutige Klostergebäude entstand 1701–1704.
1493 nahm die Druckerei der Crnojević ihre Arbeit auf, und am 4. Januar 1494 wurde dort der Oktoechos des ersten Tons (Oktoih prvoglasnik) fertig — das erste Buch, das bei den Südslawen in kyrillischer Schrift gedruckt wurde. Der Überlieferung nach stand die Druckerei in Obod, beim heutigen Rijeka Crnojevića; belegen können Historiker den Ort nicht. 1496 fiel die Zeta an die Osmanen.
Wie überlebten die Berge neben den Osmanen?
Nach dem Fall der Zeta verlief die Geschichte des Landes in mehreren Strängen zugleich. Podgorica blieb bis 1879 osmanisch, aus dieser Zeit stammt der Uhrturm Sahat-kula. Osmanisches Erbe prägt auch Stari Bar und Ulcinj. Kotor und Perast gehörten jahrhundertelang zu Venedig — daher Stadtmauern und Palazzi —, und in Herceg Novi haben sowohl Osmanen als auch Venezianer Spuren hinterlassen.
In den Bergen um Cetinje dagegen regierten ab 1516 gewählte Vladikas: orthodoxe Metropoliten, die geistliche und weltliche Macht in einer Hand hielten. Ab 1696 war das Amt in der Familie Petrović-Njegoš aus dem Dorf Njeguši erblich, und zwar vom Onkel auf den Neffen — ein Bischof im Mönchsstand hatte keine Kinder.
Der bekannteste von ihnen ist Petar II. Petrović Njegoš (1813–1851), Herrscher, Metropolit und Dichter von „Der Bergkranz“ (Gorski vijenac). Sein Mausoleum steht auf dem Gipfel des Lovćen; ihm ist ein eigener Artikel gewidmet: Njegoš und sein Mausoleum. 1852 legte sein Nachfolger Danilo das geistliche Amt ab und nahm den Fürstentitel an — damit war die Herrschaft weltlich.
Die Unabhängigkeit 1878 und König Nikola
Am 13. Juli 1878 erkannte der Berliner Kongress, zu dem die Großmächte nach dem Russisch-Türkischen Krieg zusammengekommen waren, Montenegro als unabhängig an; das Staatsgebiet wuchs etwa auf das Doppelte. Daher stammt der wichtigste Sommerfeiertag, der Tag der Staatlichkeit am 13. Juli. Im selben Jahr nahmen die Montenegriner nach langer Belagerung Stari Bar ein.
Auf dem Thron saß damals Nikola I., Fürst seit 1860 und ab dem 28. August 1910 König. Unter ihm erhielt das Land die erste Verfassung (1905) und eine eigene Währung, den Perper (1906); in Cetinje eröffneten die europäischen Mächte Gesandtschaften. Man nannte ihn den „Schwiegervater Europas“: Fünf seiner sechs Töchter heirateten in Königshäuser, Jelena wurde Königin von Italien. Nikola starb am 1. März 1921 im französischen Antibes. 1989 wurden seine Gebeine nach Cetinje zurückgebracht und in der Hofkirche beigesetzt.
Wie kam Montenegro zu Jugoslawien?
Nach dem Ersten Weltkrieg, am 26. November 1918, stimmte die Versammlung von Podgorica für die Absetzung Nikolas I. und die Vereinigung mit Serbien; am
- Dezember wurde das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen ausgerufen. Nicht alle waren einverstanden: Im Januar 1919 brach der Weihnachtsaufstand der „Grünen“ aus, der Anhänger der Unabhängigkeit. Abgeschlossen ist der Streit um 1918 bis heute nicht — 2018 erklärte das montenegrinische Parlament den Beschluss der Versammlung für unrechtmäßig.
Am 13. Juli 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg, begann in Montenegro ein bewaffneter Aufstand; deshalb hat der Tag der Staatlichkeit eine doppelte Bedeutung. Von 1945 bis 1992 war Montenegro eine Teilrepublik des sozialistischen Jugoslawiens. 1946 wurde die Hauptstadt nach Podgorica verlegt, das bis zum 2. April 1992 Titograd hieß. Cetinje behielt den Ehrentitel „Prijestonica“, Thronstadt.
Wie wurde Montenegro 2006 unabhängig?
Als Jugoslawien zerfiel, blieb Montenegro bei Serbien: ab 1992 in der Bundesrepublik Jugoslawien, ab 2003 im Staatenbund Serbien und Montenegro.
Am 21. Mai 2006 folgte das Referendum. Die Hürde war hoch angesetzt: 55 % Ja-Stimmen. Es wurden 55,5 % bei einer Beteiligung von 86,49 % — 230.711 Stimmen dafür, 184.954 dagegen. Am 3. Juni 2006 erklärte das Parlament die Unabhängigkeit, am 28. Juni wurde Montenegro als 192. Staat in die Vereinten Nationen aufgenommen. Gefeiert wird am 21. Mai, dem Tag der Abstimmung; 2026 jährte er sich zum zwanzigsten Mal.
Montenegro heute: NATO, EU und wer hier lebt
Seit dem 5. Juni 2017 ist Montenegro das 29. Mitglied der NATO. Der Weg in die EU ist länger: Antrag 2008, Kandidatenstatus 2010, Verhandlungen seit 2012. Im Sommer 2026 waren 18 von 33 Kapiteln abgeschlossen; die Regierung will die übrigen bis Jahresende schließen und 2028 beitreten.
Was das für Ihre Reise bedeutet: Bezahlt wird mit Euro, obwohl das Land nicht zur EU gehört, EU-Roaming zu Inlandspreisen gilt dagegen nicht — wie Sie günstig online bleiben, steht in Mobiles Internet in Montenegro. Für die Einreise genügt der Personalausweis oder die Schweizer Identitätskarte, damit dürfen Sie bis zu 30 Tage bleiben; mit dem Reisepass sind es bis zu 90: Einreise nach Montenegro.
Bei der Volkszählung 2023 hatte das Land 622.695 Einwohner. Als Montenegriner bezeichneten sich 41,12 %, als Serben 32,93 %, als Bosniaken 9,45 %, als Albaner 4,97 %, als Russen 2,06 %. Orthodox sind 71,10 %, Muslime 19,99 %, Katholiken 3,27 %. Ob Montenegriner und Serben verschiedene Völker sind, entscheidet hier jeder für sich — ein Streitgespräch darüber führen Sie besser nicht. Mehr dazu in Trinkgeld und Knigge in Montenegro.
Wo kann man die Geschichte heute sehen?
| Epoche | Wo | Was | Eintritt |
|---|---|---|---|
| Rom und Duklja | Doclea, 3 km nördlich von Podgorica | Ruinen der Römerstadt | Preis vor Ort erfragen |
| Crnojević | Cetinje, Rijeka Crnojevića | Kloster Cetinje (Bau von 1701–1704), Ruinen des Klosters von 1484 auf dem Ćipur, frühere Residenz der Dynastie | Kloster kostenlos |
| Venedig | Kotor, Perast, Herceg Novi | Stadtmauern, Palazzi, Forte Mare | Mauern von Kotor 15 €, Forte Mare 4 € |
| Osmanen | Stari Bar, Ulcinj, Podgorica | Ruinen, Moscheen, Sahat-kula | Stari Bar 5 € |
| Petrović-Njegoš | Njeguši, Cetinje, Lovćen | Geburtshaus Njegošs, Biljarda, Mausoleum | Mausoleum 8 € |
| Königreich | Cetinje | Palast König Nikolas, frühere Gesandtschaften | Museum König Nikola 8 € |
Zwei Hinweise zu Cetinje. Das Historische Museum im früheren Regierungsgebäude, dem Vladin dom, ist derzeit für Besucher geschlossen; das Kunstmuseum im selben Haus hat geöffnet. Mausoleum und Geburtshaus Njegošs sind nur vom 15. April bis 15. November zugänglich. Das Kombiticket für alle Museen in Cetinje und das Mausoleum kostet 20 €. Was die alte Hauptstadt sonst bietet: Cetinje an einem halben Tag.
Zur osmanischen Seite der Geschichte gibt es eigene Artikel: Stari Bar und Podgorica. Zu Obod und der Flussresidenz der Crnojević: Skadar-See und Fluss Crnojević.
Geschichte an einem Tag: die Runde durch die Berge
Das meiste aus diesem Text passt in eine einzige Runde: Kotor — Serpentinen — Njeguši — Lovćen — Cetinje. Mit dem Auto ist das ein Tag mit Stopps. Von Kotor nach Njeguši sind es 22 Kilometer über die Serpentinen (45–50 Minuten), von Cetinje hinauf zum Mausoleum 20 Kilometer (35 Minuten), von Cetinje zurück ans Meer nach Budva 28 Kilometer (40 Minuten). Auf den Bergstraßen ist ein kompakter Wagen angenehmer: Mietwagen. Was Sie bei Selbstbeteiligung und Kaution beachten sollten, steht in Versicherung und Kaution.
Ohne Auto bleibt der Busausflug Herz Montenegros: Cetinje, Njeguši und die Seilbahn über Kotor, ab 73 € pro Person bei Abfahrt in Budva, ab 83 € von Kotor und Tivat, ab 88 € von Bar. Das Mausoleum gehört nicht zum Programm. Wichtig zu wissen: Diese Ausflüge laufen ausschließlich mit russischsprachigem Guide — wer kein Russisch versteht, fährt die Runde besser selbst. Weitere Routen unter Ausflüge.
Preise und Öffnungszeiten geprüft im September 2026. Quellen: Nationalmuseum Montenegros, Statistikamt Montenegros (MONSTAT), Bericht der Wahlbeobachter des Europäischen Parlaments zum Referendum 2006, NATO, Rat der Europäischen Union.
Häufige Fragen
Wann wurde Montenegro unabhängig?
Zweimal. 1878 erkannte der Berliner Kongress das Land als unabhängig an, 2006 löste es sich nach dem Referendum vom 21. Mai aus dem Staatenbund mit Serbien. Deshalb gibt es zwei Staatsfeiertage: den 21. Mai und den 13. Juli.
Gehörte Montenegro zum Osmanischen Reich?
Teilweise. Podgorica war von 1474 bis 1879 osmanisch, osmanische Spuren tragen auch Stari Bar und Ulcinj. Die Berge um Cetinje regierten dagegen ab 1516 eigene Fürstbischöfe.
Sind Montenegriner und Serben ein Volk?
Das beantwortet hier jeder für sich. Bei der Volkszählung 2023 bezeichneten sich 41 % der Einwohner als Montenegriner und 33 % als Serben. Eine Diskussion darüber mit Einheimischen sollten Sie sich sparen.
Warum ist Podgorica die Hauptstadt und nicht Cetinje?
Die Hauptstadt wurde 1946 nach Podgorica verlegt, das bis 1992 Titograd hieß. Cetinje war mehr als vier Jahrhunderte lang Hauptstadt und trägt bis heute den Ehrentitel Prijestonica, Thronstadt.
Ist Montenegro in der EU?
Noch nicht, obwohl dort mit Euro bezahlt wird. Beitrittskandidat ist das Land seit 2010; im Sommer 2026 waren 18 von 33 Verhandlungskapiteln abgeschlossen, die Regierung peilt den Beitritt 2028 an.
Ausflug buchen
Termine, freie Plätze und Preise kommen aus dem System des Veranstalters. Buchung und Bezahlung laufen direkt über ihn.
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